Geschichten aus Cala Ratjada

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Reisebuch
Cala Ratjada Geschichten Reisebuch Verlag

 

Karl Otten(Autor), Hartmut Ihnenfeldt (Herausgeber), Stefan Theurer (Illustrator)
90 Seiten

Der leider etwas in Vergessenheit geratene deutsche Schriftsteller des Expressionismus, Karl Otten (1889 – 1963), der auf der Flucht vor den Nationalsozialisten für einige Jahre auf Mallorca ein Refugium in Cala Ratjada im Nordosten der Baleareninsel fand, hat zu den Jahren 1933-36 einige lesenswerte Geschichten über seine schöne Wahlheimat verfasst. Reisebuch.de veröffentlicht diese nun in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar in Erstausgabe als E-Book und in Print!

Karl Ottens schrieb im englischen Exil, lange nachdem er Mallorca auf Grund der Machtübernahme durch die Faschisten im Zuge des grausamen Spanischen Bürgerkriegs verlassen musste, einen der bedeutendsten Romane über die Insel: Torquemadas Schatten, in dem er den verzweifelten Kampf der Republikaner gegen die Franco-Truppen im Nordosten Mallorcas nachzeichnete.

Jahrelang schlummerten im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar, das nach dem Tod von Ottens Frau Ellen 1998 den Nachlass des ehemals berühmten Autors verwaltet, die Manuskripte seiner Geschichten aus „Pueblo“, hinter welcher Bezeichnung er den ehemaligen Exilantenhort, das damalige Fischerdorf Cala Ra(t)jada tarnte. Einige der amüsanten Erzählskizzen mussten aus dem Englischen zurück-übersetzt werden, weil die deutschen Originale vermutlich verloren gegangen sind.

Der Exilschriftsteller beabsichtigte anscheinend in den vierziger und fünfziger Jahren, seine Mallorcageschichten zunächst in England zu vermarkten, wo er u.a. für die BBC arbeitete. Daraus wurde aber leider nichts, so dass nun die skurrilen Figuren aus Ottens satirischen Geschichten rund um Cala Ratjada in dem neuen E-Book zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Ergänzt wurde die Ausgabe durch eine erläuternde Einleitung und durch Zeichnungen des Karikaturisten Stefan Theurer sowie einen vertiefenden Anhang.

Otten zeigt in seinen Kurzgeschichten ein ambivalentes Bild von Mallorca, dem er wohl vor allem wegen der damaligen Rückständigkeit der Insel und seiner Bevölkerung eher skeptisch gegenüberstand. Schon damals thematisierte der Autor das von ihm als problematisch angesehene Verhältnis zwischen den internationalen Touristen und den Einheimischen. Aber auch die politischen Wirren zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs spielen eine Rolle in einigen seiner hier erstmalig veröffentlichten Texte.

Otten konnte nicht ahnen, dass Mallorca nach dem Zweiten Weltkrieg zur europäischen Touristendestination Nr. 1 aufsteigen und sein armseliges Refugium, das Strohhüttendorf Cala Ratjada, zu einer Hochburg deutscher Urlauber werden würde.

So kann man als interessierter Besucher des an kulturellen Attraktionen nicht gerade übermäßig gesegneten Ferienortes dort heute auf den Spuren Karl Ottens wandeln durch die Hauptstraße, den Carrer Elíonor Servera, vorbei am Torre Cega, der Villa March, bis hin zum Far de Cap de Pera, dem restaurierten Leuchtturm am Ende der Bucht. Und etwas landeinwärts thront, weithin sichtbar, die gut erhaltene Burganlage von Capdepera auf einem Hügel, zwischen deren Zinnen Otten eine seiner skurrilsten Geschichten angesiedelt hat.